Jeder von uns weiß, dass er sterben muss – aber keiner glaubt es.“
Auftakt des Palliative Care Kollegs Darmstadt: 70 Teilnehmende, klare Impulse und Rückenwind für neue Bildungsangebote
Darmstadt, 07. Februar 2026 – Mit großer Resonanz ist das neu ausgerichtete Palliative Care Kolleg Darmstadt am Freitagabend im Stiftssaal des Elisabethenstift gestartet. Rund 70 Teilnehmende folgten dem Vortrag „Was am Ende zählt – Leben und Sterben in Würde“ von Prof. Dr. Martin Weber, Palliativmediziner i. R. und Vorsitzender der IGP. Im Zentrum stand die Frage, was Menschen am Lebensende wirklich brauchen – und wie eine Versorgung gelingen kann, die medizinische Kompetenz und menschliche Nähe verbindet.
Gleich zu Beginn beschrieb Prof. Dr. Martin Weber die grundsätzliche Herausforderung hospizlicher Begleitung mit einem Satz, der nachwirkte: „Jeder von uns weiß, dass er sterben muss – aber keiner glaubt es.“ Häufig werde das Thema verdrängt, bis es plötzlich konkret werde – in der Familie, im Freundeskreis oder im eigenen Leben.
Aus den Erfahrungen seiner langjährigen Praxis leitete Prof. Dr. Martin Weber zentrale Grundbedürfnisse sterbender Menschen ab: Sie möchten „Nicht unter starken Schmerzen und anderen belastenden Symptomen leiden, nicht alleine gelassen werden und Unerledigtes zu Ende bringen – und damit sind nicht die Bankgeschäfte gemeint“. Ebenso gehöre dazu, nach Sinn zu fragen und bis zuletzt als Person geachtet zu sein. Anhand von Beispielen zeigte Weber, wie eine würdebewahrende Behandlung und Begleitung gelingen kann – durch gute Symptomkontrolle, verlässliche Zuwendung und das Zusammenspiel verschiedener Berufsgruppen.
Ein Bildungsangebot – für Fachkräfte, Ehrenamtliche und die breite Öffentlichkeit
Das Palliative Care Kolleg Darmstadt ist eine Bildungseinrichtung des Evangelischen Hospiz- und Palliativ-Vereins Darmstadt e. V. (EHPV). Es bündelt Fach- und Erfahrungswissen für eine würdevolle Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen sowie ihrer An- und Zugehörigen. Das Programm richtet sich an Haupt- und Ehrenamtliche in der Versorgung – und zu einem großen Teil an interessierte Bürger:innen. Mit offenen, niedrigschwelligen Angeboten trägt das Kolleg dazu bei, Sterben, Tod und Trauer zu enttabuisieren, Sprachfähigkeit zu fördern und zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken.
Pfarrer Friedhelm Menzel, Erster Vorsitzender des EHPV, beschrieb die bereits bestehende hospizliche Versorgung auf dem Campus des Elisabethenstifts: mit ambulantem Hospizdienst, Palliativ-Team, Palliativstation und stationärem Hospiz existiert ein Netz von psychosozialen und medizinisch-pflegerischen Einrichtungen, die Menschen in ihrer letzten Lebensphase behandeln und begleiten. Nun kommt wieder eine Bildungseinrichtung hinzu, die sich an alle Interessierten richtet: „Hospizliche Versorgung ist nicht nur ein Thema für Fachkreise. Sie ist eine gesellschaftliche Aufgabe – weil es uns alle betrifft.“
Christine Boß Engelbrecht (Master of Advanced Studies in Palliative Care), stellvertretende leitende Koordinatorin des EHPV, hob die Ausrichtung des Kollegs hervor: „Würdezentrierte Palliative Care heißt: Der Mensch bleibt im Mittelpunkt – mit seinen Bedürfnissen, Beziehungen, seiner Geschichte und seinen Grenzen. Diese Haltung stärken wir in unseren Angeboten – bei Profis ebenso wie bei Bürgerinnen und Bürgern, die sich informieren oder engagieren möchten.“


